Herr Prof. Dr. Malfertheiner, was genau ist Asthma bronchiale – und woran erkennen Betroffene die Erkrankung?
Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege. Dabei reagieren die Bronchien besonders empfindlich auf bestimmte Reize wie Allergene, Infekte, kalte Luft oder körperliche Belastung. Diese Überempfindlichkeit führt dazu, dass sich die Atemwege zeitweise verengen.
Wie macht sich die Erkrankung bemerkbar?
Typische Symptome bei Asthma sind pfeifende Atemgeräusche, Husten, ein Engegefühl in der Brust sowie Kurzatmigkeit oder Luftnot. Charakteristisch ist auch, dass die Beschwerden oft anfallsartig auftreten und sich anschließend wieder bessern können – entweder von selbst oder durch die Einnahme von Medikamenten. Gerade diese wechselhafte Symptomatik führt dazu, dass die Erkrankung manchmal zunächst unterschätzt wird. Wer wiederholt unter solchen Beschwerden leidet, sollte sie ärztlich beim niedergelassenen Pneumologen abklären lassen.
Wie wird Asthma diagnostiziert?
Die Diagnostik beginnt immer mit einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden, ihren zeitlichen Verlauf und mögliche Auslöser. Häufig lässt sich bereits aus der Krankengeschichte ein erster Verdacht ableiten.
Eine zentrale Rolle spielt anschließend die Lungenfunktionsuntersuchung. Mit ihr lässt sich objektiv messen, wie gut die Atemwege arbeiten und ob eine Verengung der Bronchien vorliegt. Je nach Befund können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, etwa Allergietests, Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen oder eine Sputumdiagnostik, bei welcher der Auswurf des Patienten untersucht wird. Ziel ist es immer, die Erkrankung möglichst genau einzuordnen und mögliche Auslöser zu identifizieren, um die Therapie optimal anpassen zu können.
Wie gut lässt sich Asthma behandeln?
Asthma ist nach heutigem Stand nicht heilbar. Dennoch lässt sich die Erkrankung in den meisten Fällen sehr gut kontrollieren. Das bedeutet, dass Beschwerden deutlich reduziert werden können und Asthmaanfälle möglichst gar nicht oder nur selten auftreten. Die Behandlung basiert in der Regel auf Medikamenten, die die Entzündung der Atemwege hemmen und die Bronchien erweitern. Wichtig sind dabei eine individuell angepasste Therapie sowie eine regelmäßige Kontrolle des Krankheitsverlaufs, damit die Behandlung bei Bedarf angepasst werden kann.
Gerade in den vergangenen Jahren haben sich die Therapiemöglichkeiten deutlich weiterentwickelt. Für Patientinnen und Patienten mit schwerem Asthma stehen heute auch moderne Antikörpertherapien zur Verfügung. Diese können Beschwerden deutlich reduzieren und die Lebensqualität spürbar verbessern, ohne das die Patienten Kortison einnehmen müssen, was lange der Standart war und viele Nebenwirkungen hat.
Welche Rolle spielt der Umgang der Patientinnen und Patienten mit der Erkrankung selbst?
Eine sehr große. Der Behandlungserfolg hängt nicht nur von den Medikamenten ab, sondern auch davon, wie konsequent und korrekt sie angewendet werden. Besonders wichtig ist beispielsweise die richtige Inhalationstechnik. Darüber hinaus hilft es vielen Betroffenen, ihre individuellen Auslöser zu kennen und den Umgang mit der Erkrankung im Alltag zu lernen.
Was möchten Sie den Leserinnen und Lesern zum Welt-Asthma-Tag besonders mitgeben?
Asthma ist eine komplexe Erkrankung, aber sie lässt sich heute auch ohne behandeln. Entscheidend sind eine frühzeitige Diagnose und eine individuell abgestimmte Therapie.
Wer wiederholt unter Atembeschwerden leidet, sollte diese nicht auf die leichte Schulter nehmen. Eine medizinische Abklärung schafft Klarheit – und ermöglicht es, frühzeitig die passende Behandlung einzuleiten.
Herr Prof. Dr. Malfertheiner, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
