Weaning: Atemzug um Atemzug zurück ins Leben

Im September 2024 erlitt Brigitte P. einen schweren Asthmaanfall, der sie für mehrere Wochen ans Krankenhausbett fesselte: künstliche Beatmung, künstliches Koma und ECMO-Therapie. Ob sich die Patientin jemals wieder vollständig von diesem Einschnitt erholen würde, war ungewiss. Doch dank der speziellen Weaning-Behandlung und einer gezielten Asthma-Therapie am Caritas-Krankenhaus St. Maria konnte Frau P. die Klinik bereits vor Weihnachten 2024 wieder verlassen. Heute geht es ihr so gut wie lange nicht mehr.

Alles begann mit einem akuten Asthmaanfall im September 2024. Frau P. litt zu dieser Zeit bereits an nicht-allergischem Asthma bronchiale, also einer Form von Asthma, die nicht durch Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben oder andere Allergene ausgelöst wird, sondern durch Reize wie kalte Luft oder körperliche Anstrengung. Nach jedem Anfall erholte sich die Patientin wieder sehr gut. Im Herbst 2024 allerdings war alles anders.

Vom Anfall zum Notfall

„Ich hatte über mehrere Tage hinweg Atembeschwerden, gegen die ich wie immer Kortison einnahm“, erinnert sich Frau P. Doch die Beschwerden wurden nicht besser, sondern verschlimmerten sich. „Das ging so weit, dass ich eines Morgens nicht einmal mehr aufstehen konnte.“ Noch am selben Tag kam Brigitte P. ans Caritas-Krankenhaus St. Maria. 

An den Weg dorthin hat die Patientin selbst bereits keine Erinnerung mehr. Dennoch ist sie heute überzeugt: „Das war mein Glück, denn am nächsten Tag kam dann der totale Abfall.“ Prof. Maximilian Malfertheiner, Leiter der Klinik für Pneumologie am Caritas-Krankenhaus St. Maria erläutert: „Die Atemwege der Patientin hatten sich komplett verschlossen, sodass keine künstliche Beatmung mehr möglich war.“

Künstliches Koma und ECMO

Frau P. wurde von Donaustauf ans Universitätsklinikum Regensburg verlegt und ins künstliche Koma versetzt. Vier Wochen verbrachte sie an der Herz-Lungen-Maschine (ECMO). „Niemand hätte damals geglaubt, dass ich jemals wieder zurückkomme“, weiß sie heute aus Erzählungen.

Während die ECMO das Blut mit Sauerstoff anreicherte, hatte die Lunge Zeit sich zu erholen und so wurden auch Frau P.s Atemwege langsam wieder frei. Ende Oktober konnte die Patientin aus dem künstlichen Koma geholt und zurück an die Fachklinik verlegt werden, wo sie zwar weiterhin beatmet, aber auch gezielt gegen ihr Asthma behandelt wurde. 

Mit Biologika-Therapie gegen Asthma

Um die Atemwegserkrankung besser kontrollieren zu können, setzten Prof. Malfertheiner und sein Team auf eine Biologika-Therapie. „Bei diesem modernen Behandlungsansatz werden die Botenstoffe oder Rezeptoren anhand von Medikamenten gezielt blockiert, sodass sie keine Entzündungen mehr auslösen oder die Symptome schwächer ausfallen“, erklärt der Klinikleiter. 

Die Behandlung wirkte gut und bald konnte Brigitte P. an eine Reha-Klinik wechseln. Aufgrund einer Infektion kam sie allerdings nach drei Wochen wieder zurück an die Lungenfachklinik in Donaustauf. Nun sollte sie hier von der künstlichen Beatmung entwöhnt werden.

Wieder atmen lernen dank Weaning

Im Zuge der künstlichen Beatmung bauen sowohl Muskeln als auch Nerven, die für gewöhnlich beim Atmen beansprucht werden, ab. Die Entwöhnung von der Beatmung bezeichnet man als ‚Weaning‘. „Weaning zielt darauf ab, die Muskulatur zur trainieren und das Nervensystem wieder soweit aufzubauen, dass die Patientinnen und Patienten möglichst wieder vollständig selbstständig atmen können“, beschreibt Prof. Malfertheiner den Prozess. „Als zertifiziertes Weaning-Zentrum ist das Caritas-Krankenhaus St. Maria dabei auf prolongiertes Weaning spezialisiert, also auf Fälle, die über längere Zeit beatmet wurden und zunächst starke Einschränkungen erleben“, ergänzt er. Anhand von kleinen Pausen von der Beatmung kombiniert mit gezielter Physiotherapie und Logopädie könne der Körper schrittweise regenerieren. 

Sicherheit und Motivation für die ersten Schritte

Nach dem künstlichen Koma konnte Frau P. zunächst nicht selbstständig atmen und auch die übrige Muskulatur war stark eingeschränkt; selbst die Hände zu bewegen musste neu erlernt werden. Schritt für Schritt begleitete und unterstützte das Behandlungsteam in St. Maria Frau P. so bis zu den ersten Gehversuchen am Gehwagen und begleitet von einem Physiotherapeuten. „Ich dachte, das geht nicht. Aber ich wollte, das etwas vorangeht“, erinnert sich die Patientin, die zu diesem Zeitpunkt kaum in der Lage war, sich selbstständig im Bett aufzusetzen. Der Physiotherapeut hätte sie motiviert, es dennoch zu versuchen, und gab ihr auch die nötige Sicherheit. „‚Ich bin mit dem Rollstuhl direkt hinter Ihnen‘, hat er mir versichert“, erzählt sie. „‚Wenn es nicht mehr geht, können Sie sich einfach fallen lassen. Ihnen kann nichts passieren.‘“

Erfolgserlebnis

Frau P. schaffte es den ganzen Gang entlang zu gehen, hin und zurück zu ihrem Zimmer. „Ich konnte das nicht glauben. Das war das erste große Erfolgserlebnis“, erzählt sie bewegt. „Der Physiotherapeut hat mir die Angst genommen. Das werde ich ihm nie vergessen.“ Voller neuer Zuversicht übt die Patientin entsprechend des fundierten Weaning-Konzepts der Klinik Tag für Tag weiter: Gehen – erst am Gehwagen, später am Rollator – Treppensteigen, Radfahren und Training an der Beinpresse im Fitnessstudio. Jeden Tag sei etwas mehr gegangen, sagt Frau P. „Schon nach wenigen Tagen konnte ich mich selbstständig aufsetzen, wieder allein frühstücken und mich waschen. Das war wie ein neues Leben.“

Geduld und Durchhaltevermögen

Der Weaning-Prozess verlaufe in den wenigsten Fällen geradlinig, bemerkt Prof. Malfertheiner. „Durch eine Infektion kann es beispielsweise leicht zu Rückfällen kommen“, erklärt er und veranschaulicht: „So geht es oft einen Schritt vorwärts und zwei zurück.“ Generell erfordert die Behandlung Geduld, denn „die kleinsten Muskelgruppen, um die es hier geht, können nicht so gezielt angesteuert werden und müssen daher längerfristig trainiert werden.“ Selbst nach der Entlassung aus der Klinik müssten die Patientinnen und Patienten zumindest für zwölf bis 18 Monate konsequent weitertrainieren. 

Neue Lebensqualität

Frau P. kann noch vor Weihnachten 2024 aus St. Maria entlassen werden. Sie setzt ihr Training mit Spaziergängen und am Heimtrainer zuhause selbstständig fort. Heute, über ein Jahr später, antwortet sie auf die Frage, wie es ihr geht: „Ich bin sehr zufrieden. Es geht zwar alles langsamer als früher, aber es geht. Ich komme gut zurecht.“ Dabei bezieht sie sich auch auf ihre Asthma-Erkrankung, denn auch die Biologika-Therapie wirkt weiterhin sehr gut. „Seitdem ich die Spritze bekomme, habe ich keine Beschwerden mehr“, fasst sie zusammen. Ein schwerer Asthmaanfall ist bislang ausgeblieben. Im Vergleich zu früher hätte ihr Leben so deutlich an Qualität gewonnen. Und Frau P. ist überzeugt: „Man sieht alles mit anderen Augen, lebt intensiver. Es ist nicht mehr alles selbstverständlich, sondern man genießt auch die kleinen Dinge – und das habe ich alles diesem Krankenhaus zu verdanken.“

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