Christina Ostermeier ist Diplom-Psychologin und leitet seit mehreren Jahren das Rauchfrei-Programm am Caritas-Krankenhaus St. Maria in Donaustauf. Ziel des Gruppenangebots ist die Nikotinentwöhnung. Als Lungenfachklinik ist das Thema dem Krankenhaus ein ganz besonderes Anliegen, denn viele der Patientinnen und Patienten, die hier behandelt werden, leiden an Beschwerden, die mit dem Rauchen in direktem Zusammenhang stehen. Das spezielle Entwöhnungsangebot richtet sich dabei an alle Interessierten. In der Regel sind es vier bis fünf Teilnehmende, die über sieben Wochen hinweg zu 90-minütigen Sitzungen zusammenkommen, um sich gemeinsam von der Sucht nach Nikotin zu lösen.
Gemeinsam rauchfrei werden
„Wichtig ist in erster Linie, dass sich die Teilnehmenden von sich aus ihrer Sucht stellen wollen“, beschreibt die Kursleiterin die in ihren Augen wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreich Teilnahme am Programm. Viele der Raucherinnen und Raucher, die eine Entwöhnung mit dem Rauchfrei-Programm versuchen wollen, stehen dabei an einem Zeitpunkt im Leben, wo sich die gesundheitlichen Folgen von regelmäßigem Tabakkonsum mehr und mehr bemerkbar machen. Die meisten versuchen nicht zum ersten Mal von der Zigarette loszukommen, haben bereits Erfahrung mit Entzugserscheinungen und Ängsten gemacht und wissen genau wie Ostermeier: „Wenn es so leicht wäre, würden die Leute einfach aufhören.“
Analyse und Reflexion
Für eine nachhaltige Tabakentwöhnung folgt das Rauchfrei-Angebot am Caritas-Krankenhaus St. Maria den Ansätzen des Rauchfrei-Programms des Instituts für Therapieforschung (IFT München). Bei den ersten vier von insgesamt sieben Gruppenterminen stehen neben hilfreichen Informationen die individuell eingebrachten Themen der Teilnehmenden im Fokus. „Die Analyse des eigenen Rauchverhaltens ist im Programm ganz zentral“, erklärt Diplom-Psychologin Ostermeier. Angelehnt daran wird ein ‚Fahrplan‘ für den ersten rauchfreien Tag festgelegt, um bereits im Vorfeld „Stolperfallen zu visualisieren und zu entschärfen“, wie die Gruppenleiterin erläutert. Im nächsten Schritt geht es dann darum geeignete Alternativen zum Rauchen zu suchen.
Rückhalt gegen Rückfall
„Der dritte Tag ohne Tabak gilt als am kritischsten für einen Rückfall“, erwähnt die Gruppenleiterin. „Daher ist der fünfte Termin für die Gruppe auch auf diesen kritischen Zeitpunkt nach dem Rauchstopp abgestimmt.“ Niemand wolle sich die Blöße geben, entgegen der Abmachung bis dahin wieder geraucht zu haben, berichtet Diplom-Psychologin Ostermeier. Daneben kommen die generellen Vorteile einer begleiteten Entwöhnung in der Gruppe zum Tragen: „Die Gruppe gibt jeder und jedem Einzelnen Rückhalt, man kann sich gegenseitig Tipps geben und Erfahrungen teilen.“
Rauchfrei bleiben
Damit die Entwöhnung vom Rauchen auch auf längere Sicht und über die Gruppentreffen hinaus gelingt, sei laut Christina Ostermeier auch die Unterstützung aus dem persönlichen sozialen Umfeld ein wichtiger Erfolgsfaktor. Daneben rät die Rauchfrei-Trainerin die Entwöhnung mit viel Selbstmitgefühl anzugehen: „Man sollte reflektiert, aber auch wohlwollend mit sich selbst umgehen.“ Gerade die Macht der Gewohnheit spielt im gesamte Entwöhnungsprozess eine wichtige Rolle und nicht selten sind es unbewusst bediente Gewohnheiten, die zu einem Rückfall führen. Hier sei es wichtig zu erkennen: „Ein Ausrutscher ist nicht der Untergang, aber auch kein Freifahrtschein – vielmehr sollte man darüber nachdenken, wie man die Situation beim nächsten Mal besser meistern kann.“
